Who is the doctor?

Weil wir ja von allem Quatsch Fans sind, mussten wir natürlich auch die Dr. Who Notrufzelle besuchen. Diese steht an der Haltestelle Earls Court. Irgendjemand meinte, dass Google meinte, dass mittwochs um 11 Uhr die dortige blaue Notrufzelle geöffnet werden würde. Da wir noch etwas Zeit hatten gingen wir die Straße auf und ab oder warteten vor der Telefonzelle.

LKW mit Luftpolsterfolie beladen

Etliche Passanten und Passantinnen blieben davor stehen, knipsten sie und gingen weiter. Ein tapferes Pärchen, das diese uns bekannte Nachricht wohl auch gelesen hatte, wartete, wie wir gespannt vor der Zelle.

Blaue Notruftelefonzelle

Als die Zeit ran war, tat sich jedoch nichts. Verlegen blickten wir zu dem wartenden Pärchen rüber und zuckten mit den Schultern. Aus Langeweile lugten wir alle mal durch die Fenster der Telefonzelle, bestaunten das Wasserrohr und das kleine Waschbecken. Weil das alte Kind nicht zu den Fenstern heran reichte, hob ich es hoch. Das Kind erzählte mir ganz aufgeregt, dass weiter unten sogar ein Stuhl zu sehen war.

Das Innere der Zelle

Wir beratschlagten was wir nun machen wollten, also der Rest der Familie beratschlagte, ich stand teilnahmslos herum. Doch das war mein pfiffiger Plan. Denn in London verhält es sich so: Steht jemand planlos herum, wird er oder sie oder divers von jemandem angeschwätzt, wohin man wolle. Und wie ich also so zufällig planmäßig teilnahmslos herumstand, wurde ich von einem freundlichen U-Bahn Mitarbeiter angesprochen, wohin ich denn wolle, weil ich so ziellos umherstand. Ich erklärte in tadellosem Kauderwelsch den Sachverhalt mit der Telefonzelle, und er erklärte mir, dass diese Telefonzelle nie geöffnet würde. Wir bedankten uns für die freundliche Auskunft, das angeregt lauschende, mit uns wartende Pärchen nickte ebenfalls, wohl aber etwas enttäuscht, und wir gingen alle unserer Wege.

So leicht ließen wir uns aber nicht von unserem Plan, eine blaue Notruftelefonzelle zu betreten, abbringen, denn meine Frau hatte noch ein Ass im Ärmel, das wir sowieso ausspielen wollten. Es ging also mit der U-Bahn nach West Ham und dann noch zu Fuß ne halbe Stunde durch die Wohnsiedlung. Denn dort gibt es ein wohl offizielles Dr. Who Museum.

Dr. Who Shop

Wir betraten also den Shop, der lauter Fanartikel der Serie Dr. Who führt. Die Familie stöberte und ich tat so, als ob ich mir ebenfalls die zu erwerbenden Sachen ansah, denn ich wollte nicht schon wieder den Weg erklärt bekommen.

Meine Frau entleerte sodann mein Portemonnaie. Dafür konnten wir schließlich eine blaue Notruftelefonzelle betreten. Und es war wirklich, wie im Film. Das kleine Kind bekam den Schlüssel, öffnete die Tür unfallfrei und wir betraten das Museum. Gut, das war zwar nur das Hinterzimmer des Shops, dafür waren Requisiten der letzten 40 Jahre Dr. Who ausgestellt. Vor allem Kostüme, ein paar Darleks (von denen uns keiner eliminieren wollte) und noch bisschen was anderes aus den Filmen.

Die Tardis als Eingang ins Museum

Wir fanden es richtig, dass das Museum so weit ab vom touristischen London, in einem Wohnort gelegen ist, denn dadurch erhält es seine typische Schrulligkeit, wie es bei Dr. Who irgendwie auch war und ist.

Wir diskutierten am Ausgang noch etwas mit der wohl Geschäftsführerin, die uns erklärte, dass wir unsere Rucksäcke richtig eng am Rücken tragen müssten. Mein Argument, dass der Rücken dann aber wet, also durchs Schwitzen nass werden würde, verstand sie nicht, oder wollte es nicht verstehen.

Aus dem Kartoffelhauscafé geknipst

Als wir das Museum verließen, sahen wir, dass es geregnet hatte, und wir gingen gebackene Kartoffeln bzw. Lasagne essen. Zum Zwischenstopp fuhren wir zur Station vom Hotel zurück und wunderten uns, warum die uns entgegenkommenden Menschen ihre Kleidung und Haare auswrungen. Als wir eingestiegen sind, schien ja noch die Sonne, was das Zeug hielt. Wir sahen am Ausgang der Station noch ein paar Regentropfen und fließende Rinnsale, aber wir blieben vom Nass verschont.

Blick nach London
London in die andere Richtung fotografiert

Nach unserem Zwischenstopp leerten wir die Taschen, um die Kinder wieder einmal zu verlassen. Wir wollten noch einmal an die Themse, um dort gemütlich entlang zu wandern und den Urlaub ausklingen zu lassen.

Büchermarkt unter der Waterloo Bridge

Dieses Mal ging es von der Haltestelle Embankment aus los, Richtung Millennium Bridge. Die Themse hatte gerade Flut, aber an den kleinen Sandstrand konnten wir trotzdem kurz gehen. Kurz das andere Ufer geknipst und dann wieder hoch, bevor uns die vor den Wellen weghoppsenden, kleinen Kinder umrannten.

Blick von einer Themsebrücke aus

Auf der Millennium Bridge fotografierten wir fleißig platt getretene Kaugummis und dann ging es über den Coop-Laden mittels U-Bahn und dem Bus 113 zurück zum Hotel.

Breit gelatschter Kaugummi auf der Millennium Bridge

Jetzt heißt es Koffer packen und dann ab ins Bett. Morgen wird ein langer anstrengender Tag.

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Düsenjet

Die Trennung war vollzogen, wir lieferten unsere Kinder vor dem Eingang von Madame Tussauds ab und verschwanden. Da sind wir fair, wir setzen sie nicht einfach schnöde im Wald aus, nein, bei uns gibt es wenigstens Kultur, oder wie man es nennen mag, dazu.

Wir flüchteten also schnell in die U-Bahn und wussten zunächst erstmal nicht wohin. Das heißt, wir wussten es schon, nur nicht mit welcher Linie wir fahren sollten. Irgendwie schafften wir es dann doch und landeten nach dem Umstieg und einigen Stationen im Londoner Museumsviertel.

Das Science Museum

Das Science Museum hatte sich meine Frau ausgesucht. Wieder so ein riesen Koloss, aber diesmal nicht ganz so überlaufen, zumindest teilweise. Wir arbeiteten uns von oben nach unten durch und begannen somit bei der Luftfahrt.

Eingang ins Museum

Dort gibt es einige Stationen, die man hinzubuchen kann. Wir wählten die Düsenjets, mit denen man mittels 3-D-Brille und beweglichen Sitzen mitfliegen kann. Meine Frau zederte zwar anfänglich ein bisschen, doch da hatten wir die Tickets schon gelöst.

Es schaukelte und ruckelte ein bisschen, und auch der Film war recht spannend anzuschauen, aber so richtig wild war es auch nicht. Das veranlasste meine liebe Frau, hinterher zu meinen, wenn das alles sei, könne sie sich vorstellen, Düsenjetpilotin zu werden. Das Problem liegt einzig dabei, dass sie gerne mal links und rechts verwechselt.

Das Innere eines Satelliten

Nach diesem Abenteuer wanderten wir weiter durch das Museum, das in verschiedene Abteilungen, wie Energie, Antrieb, Zeit, Computer usw. aufgeteilt ist. Überall gibt es interaktive Stationen, an denen man Knöpfe drücken, Filme gucken oder Spiele spielen kann. Also alles recht kurzweilig und für verschiedene Altersgruppen gemacht. Bei den meisten Maschinen, wie der Differenzialrechnungsmaschine sind wir dann aber ausgestiegen, bei mir reicht es höchstens zum Jaquard-Webstuhl.

Ein Differenzial-Analyser

Wir stiegen die verschiedenen Treppen des Gebäudes mehrere Male abwechselnd hoch und runter, denn wir verliefen uns andauernd, obwohl wir einen Plan hatten.

Als wir das Museum verließen und unsere mitgebrachten Kekse im Hyde Park aßen, hatte meine Frau mit unseren Kindern ein Einsehen und lotste sie in unsere Richtung. Sie haben ja versprochen, ganz brav zu sein. Das kleine Kind berichtete, sich mehrfach angeregt mit ihren Gegenübern unterhalten zu haben, bevor sie bemerkte, dass es nur Wachsfiguren waren.

Blick von einer Bank im Hyde Park

Vereint gingen wir also ins Naturkundemuseum. Doch für einen langgedehnten Besuch blieb nicht sehr viel Zeit übrig, also konzentrierten wir uns auf das Wesentliche.

Das Naturkundemuseum ist ähnlich dem Science Museum aufgebaut. Also riesig, viele Abteilungen und interaktiv. Das kleine Kind trödelte hinterher, der Rest wollte zum Erdbeben. Dann mussten unbedingt noch die Fossilien und die Dinosaurier angeschaut werden. Dann wurde aber auch schon durch die Lautsprecher ausgerufen, nochmal schnell die Toilette zu besuchen, da das Museum in Kürze schließe. Wir folgten der Anweisung und verließ danach das Haus.

Nur ein kleiner Teil im Naturkundemuseum

Eigentlich wollten wir darauf den Rückweg antreten, was beim Tesco kaufen und dann auf dem Zimmer essen. Scheinbar war aber gerade Rushhour, sodass wir nicht mal in die U-Bahn-Station hinein kamen, wegen der vielen Menschen. Also wollten wir zu Pret-a-Manger, doch die hatten keine Sitzmöglichkeiten, damit wir die Hauptreisezeit der Londoner an uns gemütlich vorbei ziehen lassen konnten.

Ich motivierte die Familie, uns doch was anderes zu suchen, und wir fanden es auch in einem wohl nahöstlichem Restaurant, Ceru genannt. Die Preise pro Gericht schienen moderat, also ergatterten wir uns Plätze. Die freundliche Bedienung erklärte uns den Ablauf. Da verstanden wir auch die relativ geringen Preise, denn die Gerichte waren Tappas, also Häppchen. Da wir aber gut im Budget lagen, bestellten wir uns die unaussprechlichen Speisen und ließen sie uns schmecken.

So gesättigt traten wir nunmehr zum zweiten Mal den Rückweg an und fuhren zum Hotel. Dort verließen wir abermals die Kinder, denn meine Frau wollte den Primrose Hill besteigen. Nach etwa 10 Minuten Fußmarsch und nochmal 5 Minuten Anstieg blickten wir uns um und hatten tatsächlich eine wunderbare Aussicht im Dämmerlicht auf das langsam erleuchtende London.

Blick vom Primrose Hill

Da auf der anderen Seite aber dicke Regenwolken aufzogen, fuhren wir mit dem Bus zurück zum Hotel.

Planlos im British Museum

Die Bank of England war heute unser erstes Ziel. Die alten Banknoten wollten schließlich umgetauscht werden. Leider durfte pro Reisegruppe immer nur eine Person in die Bank, sodass man gemeinsam mit uns Familienreste auf dem Platz rumstehen sehen hat.

Warten vor der Bank of England

Dann ging es aber weiter zum Britischen Museum. Die Schlange vor dem Tor, die sich an die Schlange hinter dem Tor anschloss, inspirierte uns aber zu einer spontanen Planänderung.

Die Schlange vor dem Museum

Also gingen wir zum Minalima. Dort konnten wir Grafiken und Zeichnungen vor allem zu den Harry Potter Filmen begucken und auch kaufen. In lauter Verzweiflung, nichts richtiges gefunden zu haben, erwarben die Kinder eine Wundertüte. Schon die zweite in diesem Urlaub. Auch ein Geschäftsmodell.

Schaufenster Minalima

Dass wir davor und danach und überhaupt immer mal shoppen waren, muss ich hier nicht erst erwähnen. Ich sehnte mich in die Schlange vor dem Britischen Museum, denn dort hätte ich zumindest ein Ziel gehabt.

Nachdem wir trockene Burger in einem Restaurant gegessen hatten (die Soßen entdeckten wir erst beim Verlassen der Kneipe), wollten wir es nochmal beim Britischen Museum versuchen. Und siehe da, die Schlange hatte sich bereits ins Museum geschlängelt und uns den Weg frei gegeben, relativ ungehindert ins Innere zu gelangen.

Vorm British Museum

Wir latschten also der Masse hinterher und begutachteten erst Uhren, dann Artefakte aus der alten arabischen Welt, dann Meissner Porzellan. Irgendwie fanden wir die Anordnung verwirrend. Also stiefelte meine Frau nochmal los, um einen Plan zu organisieren, denn so richtig selbsterklärend ist das Museum nicht. Sie fand eine herrenlose Karte und nahm sie mütterlich an sich. So richtig viel erklärte sie uns aber auch nicht.

Vitrinen, Objekte und Menschen

Durch manche Räume mussten wir uns an den Massen von Leuten vorbei zwängen, in manchen war kaum ein Weiterkommen und manche waren nur gut gefüllt. Viele latschten kreuz und quer durch die Ausstellung, wir dann irgendwann ebenfalls.

Noch mehr Menschen im Museum

Der Historiker in mir fand die Ausstellung zu archäologisch, da sie zwar den Rahmen betrachtete, der zu den Objekten passte, aber keine richtige Geschichte erzählte. Jeder guckte also nach etwas, was interessant aussah, und ging weiter zum nächsten Objekt.

In einem Gebäudeteil wähnten wir uns fertig und machten vor den Toiletten eine Pause. Den dort zu erwerbenden Museumsführer lehnten wir ab, zu erwerben, denn das Jungvolk nörgelte schon etwas rum. An den großen griechischen und römischen Statuen vorbei ging es nach Nordamerika und als wir schon gehen wollten, entdeckten wir noch die Samoa-Inseln und dann noch die Bibliothek.

In der Bibliotheksabteilung

Wir reizten zur Freude unserer Kinder unsere Besuchszeit gut aus und verließen das Museum. Danach ging es weiter shoppen und schließlich mit dem Bus zum Tesco-Markt, um Sandwiches, Salate und Brötchen für das Abendessen zu besorgen.

Entlang der Themse

Gestern gab es keinen Bericht, dafür aber jetzt. Das lag vielleicht daran, dass wir zuoft an den Shishabars vor unserem Hotel vorbei gegangen sind, und deshalb seltsam müde waren. Wer also unser Hotel sucht, braucht nur dem Geruch folgen. Drinnen in einer solchen Bar waren wir aber nicht, uns reichte schon das Vorbeigehen. Schlimm finde ich es nicht, nur ungewohnt.

U-Bahn-Station-Rolltreppen

Jedenfalls sind wir gestern bisschen Bus gefahren und dann in Fullham entlang der Themse gewandert. Meine Aussage, dass es in London wenig Hunde gäbe, wurde dort definitiv widerlegt. Aber alle Vierbeiner, die um uns herumwuselten, waren ganz friedlich, und das kleine Kind konnte sogar einen Mops streicheln.

Bischofspark in Fullham

Das Museum des Bischofssitzes besuchten wir nicht und gingen stattdessen Richtung einer Brücke, von wo aus wir seltsames Trillergepfeife hörten. Wir bereiteten uns schon auf eine Demo vor, bemalten unsere Banner mit „Dagegen“, bemerkten dann aber, dass es sich um ein Radrennen handelte. Nur meine Frau hielt innerlich ihr Banner noch ganz weit oben, da es sich hierbei ja um Sport handelte.

Radrennen

Auf der anderen Seite wurde es wieder ruhiger, wir erwarben Cheeseburger, aßen sie und gingen entlang des Fullham-Stadions weiter. Hätte dort nicht der Name gestanden, hätten wir es für eine alte Werkhalle gehalten, die dringen hätte abgerissen werden müssen, um den Gesamteindruck aufzuwerten.

Fullham-Stadion

Der restliche Anblick war ganz angenehm, er erinnert bisschen an Bremen vom linksweserschen, also westlichen Ufer aus gesehen.

Wir erreichten die sich in Sanierung befindlichen Brücke von Hammersmith und gingen dort zur U-Bahn-Station. Dort hatten fast alle Läden auf – die Station befindet sich in einem Einkaufszentrum – wie überhaupt ziemlich viele Läden in London sonntags geöffnet haben.

Hammersmith-Brücke

Wir fuhren zur Londonbridge, denn unser eigentliches Ziel war es, mit dem Auge von London zu fahren. Zuvor musste ich mit meinem großen Kind noch Kettenkarussel fahren. Hoch ist für mich kein Problem, aber schnell. Jedenfalls konzentrierte ich mich darauf, die Fahrt per Video aufzuzeichnen, damit es mich nicht wegleierte. Das „nochmal“ des Kindes ignorierte ich geflissentlich und musste mich erstmal setzen, also neben den Rest der Familie, der unten wartete.

Kettenkarussell mit mir und dem großen Kind

Dann stellten wir uns in die Schlange vor dem Riesenrad an. Es war aber ein angenehmes Warten, da es langsam voran ging, keiner quer latschte und ein Ziel zu erkennen war.

London Eye

Es folgte das übliche Geknipse und Gesuche, was wir alles kannten und wo wir schon waren, und dann war auch schon Schluss. Die Animation zum Riesenrad schauten wir uns auch noch an. Der darauffolgende Spaziergang führte uns an der Downing-Street vorbei, aber, da sie abgesperrt war, fotografierten wir einfach ein ähnliches Gebäude daneben.

Straße neben der Downing Street

Attraktion am Markt

Meine Frau meint, ich solle mich nicht so haben, wenn ich schon nicht richtig draufhören würde, wenn sie mir was sagt. Jedenfalls fanden wir uns heute zum Sonnabend in Notting Hill wieder, wo sich die Leute schon am Anfang quetschten. Weil meine liebe Frau aber weiß, dass ich nicht immer optimal auf sie höre, hatte sie ein Einsehen mit mir und zumindest die Route so geplant, dass wir erst um den Markt drumherum liefen und dann sozusagen von hinten das Feld aufrollten.

Das Cricketstadion neben unserem Hotel

So konnten wir noch ein bisschen, relativ ungestört rumknippsen und den Londoner Kaßberg erforschen. Der Vorteil zum Kaßberg ist, es gibt hier kaum Hügel. Sonst scheint es hier ein bisschen gründerzeitlich zu sein.

Notting Hill

Dann stürzten wir uns aber trotzdem ins Getümmel, es half nichts, da mussten wir durch. Aber weil meine Frau ja eine Familientaktikerin ist, und sich zuvor informiert hat, wusste sie, dass es am Ende des Marktes, also für uns der Anfang, die Abteilung Streetfood gab. Also beruhigte sie uns mit erlesenen Speisen, die wir dort erhielten, sodass wir, insbesondere ich, weniger knatschig waren.

Portobello Markt, Essenabteilung

Doch das kleine alte Kind fühlte sich wie im Himmel und stöberte an fast allen Ständen herum. Ich hingegen versuchte im Stehen zu schlafen, was nicht funktionierte.

Viele Leute auf dem Portobellomarkt

Das große Kind erwarb eine Trinkkokosnuss und weiter ging es im Stopp-and-go. Ich wurde beladen und die Familie war im Laden. Irgendwann hatte ich auch die Kokosnuss in der Hand und zuppelte gemütlich am Strohhalm.

Und wie ich so zuppelte wurde ich von der Seite angeschwätzt, wo es denn die Kokosnüsse gäbe. Ich fuchtelte in die Richtung, wo ich sie her hatte, stammelte etwas und der Mann bedankte sich freundlich. Keine 50 Meter weiter strahlte mich eine junge Frau an, die von mir wissen wollte, wo ich die Kokosnuss her hatte. Souverän erklärte ich ihr den Weg der 750 Meter, den sie nehmen müsste, doch sie verstand kein Wort. Wir einigten uns auf ungefähr fünf Minuten und dann rechts, das hatte sie dann verstanden. So fühlte ich mich ein bisschen, wie eine Attraktion auf dem Markt, und das nur, weil wir in entgegengesetzter Richtung liefen. Einer asiatischen Frau habe ich dann erklärt, dass sie ca. 7-10 Minuten laufen müsse, um auch eine solche Kokosnuss zu erwerben, das war ihr aber etwas zu weit. Da waren wir beide enttäuscht und gingen unserer Wege. In die U-Bahn wollte ich die Kokosnuss dann doch nicht mitschleppen, und außerdem hatte ich fast das ganze Fruchtfleisch mit dem Strohhalm abgesaugt. Mit Dank wanderte sie in den Mülleimer, hatte sie mich doch davor gerettet, auf dem Markt zu verzweifeln.

Voller Übermut bot ich meiner Frau an, gleich noch auf einen anderen Markt zu gehen. Doch der Borough Markt war ein reiner Essensmarkt mit noch mehr Menschen. So richtig hatten wir alle keine Lust, irgendetwas zu essen oder dort zu kaufen, sodass wir die Fahrt zu unserem Hotel für einen Zwischenstopp antraten.

Borough Markt

Nach der Pause stiegen wir in den Bus 113 und fuhren zum Oxford Circus. Als wir ankamen, wollte ich nicht aussteigen. Nur Leute und Geschäfte. Mein kleines Kind zog mich dann aber hinter sich her und versprach mir, dass ich nicht verloren gehe, und meinte, dass so ein bisschen shoppen gar nicht so schlimm sei. Aus irgendeinem Grund kauften wir nichts, außer Sushi und Getränke. Doch, ein Souvenir wollten wir erwerben, aber in dem Laden nahmen sie unsere alten Pfundscheine, die wir noch von unseren vergangenen England-Reisen übrig hatten, nicht an. Das ist schon öfters bemerkt worden, aber manchmal half der Hundeblick unseres kleinen Kindes, aber hier nicht. Vielleicht lag es auch daran, dass meine Frau ihren „ich-spring-dir-gleich-wohin-Blick“ aufgesetzt hatte. Jedenfalls bleiben beide Seiten sturr und es gab keinen Hängemopspflanzenhalter.

Ein Londontaxi

Mit dem Bus 113 ging es dann wieder zurück und wir fanden auf Anhieb unsere Haltestelle, zumal die Zentralmoschee und das Cricketstadion recht gute Anhaltspunkte sind. Das Sushi war lecker, das Wasabi hat meinen Kopf richtig durchgepustet, doch jetzt müssen wir aber nochmal los, Getränke holen, denn morgen ist Sonntag, da hat nicht alles auf.

Parks in London

Zunächst muss ich den gestrigen Bericht korrigieren, denn die Schulfreundin des kleinen alten Kindes feierte erst heute ihren 18. Geburtstag. Dennoch trafen wir uns am Piccadilly Circus und latschten noch etwas durch den St. James Park. Dort beobachteten wir zahme Hörnchen, also sowas wie Eichhörnchen, zahme Tauben, zahme Gänse und allerlei weiteres zahmes Getier und freie Alexandersittiche. Weil wir alle müde waren, feierten wir nicht mit an der Themse hinein, sondern stiegen in die U-Bahn, dann aus, um uns dann noch etwas in Richtung Hotel zu verlaufen. Wir kamen dann aber doch an, aßen noch schnell und gingen dann zu Bett.

Zahme Vögel

Um sieben wurde meine Frau dann wieder geweckt und schickte uns nach ihr nach und nach duschen. Ordnung muss sein. Das Frühstück im Hotel war spitze, sodass wir uns die Wänster ordentlich voll hauten.

Bevor wir mit der U-Bahn fuhren, gingen wir entlang des „little Venice“ spazieren. Eine Anlegestelle für Hausboote entlang des Regent’s Canal. Witzig ist, dass die Bäume, hauptsächlich Platanen, entlang des Fußweges direkt in dessen Mitte wachsen, und mitunter den Gehweg versperren. Doch die tote Ratte am Ausgang des Viertels hindert mich daran, wohl je nochmal dort hin zu gehen. Vor Ratten ohne Fluchtreflex gruselt es mich und lässt Gänsehaut an mir aufsteigen.

Unterführung über den Regent’s Canel
Hausboote

Also schnell weg und ab in die U-Bahn. Da ging es in das andere Extrem, nämlich zum, ich nenne es Docksland. Das ist sowas wie die Speicherstadt in Hamburg, nur ohne Speicher und stattdessen mit neuen Hochhäusern besonders für die Finanzwelt. Also von den einen Ratten zu den anderen. Zugegeben, dort ist es unheimlich sauber und verschwenderisch elegant. So richtig wohl fühlte ich mich in dieser geschniegelten Welt auch nicht, sodass wir weiter Richtung Greenwich Park fuhren.

Hochhäuser in der Finanz-City

Das erinnerte mich zunächst etwas mehr an England, also der leicht schmuddelige Charme. Wir aßen verhältnismäßig preiswert Bürgermenüs bzw. Salate und wanderten durch den Park hoch zum Observatorium. Von dort aus sieht man gut, wie London versucht, sich selbst zu übertreffen, und welche riesigen Ausdehnungen die Stadt besitzt. Wir ignorierten es aber, das Besuchercenter dieses historischen Ortes zu besichtigen, denn Nullen sind wir selbst, stattdessen besuchten wir das Maritime Museum.

Blick auf London, ganz links die eigentliche Innenstadt
Vor dem Observatorium in Greenwich

Ein wirklich tolles Museum, vergleichbar mit unseren Schiffahrtsmuseum in Brake und Elsfleth, nur ein klein bisschen größer und viel mehr Besucher. London ist halt nicht Brake. Es ist logischerweise viel auf die militärische Schiffahrt ausgelegt, aber sehr historisch und weniger technisch. Alle Abteilungen sind etwas verschieden aufgebaut und meist mit spezifischen interaktiven Stationen bestückt. Ein Museum für die breite Öffentlichkeit und auch für Kinder und Jugendliche kurzweilig. Ich ließ mich neben einer Nachbildung der Gedenksäule von Nelson fotografieren und erklärte meinem alten Kind, wie es bei ihm mit Horatia zustande kam.

Lichthof des Maritime-Museums

Wir liefen nach unserem Museumsbesuch runter zur Themse und dann, nachdem wir Fudge erworben und gegessen hatten, auf die andere Seite, also unten durch. Dort fanden wir einen weiteren Park, den Mudchute-Park.

Mudchute-Park

Leider durften in der dortigen Haus- und Hoftierabteilung die Esel nicht gefüttert werden, was wir sehr schade fanden. Es tröstete uns aber, dass wir keinen einzigen Esel sahen, den wir hätten füttern können. (Und jetzt für die spöttischen Leser unter uns: wir waren noch satt.) Da der Tierpark bald zu schließen schien, beobachteten wir gemeinsam mit anderen BesucherInnen, wie die Tierpfleger Gänse fingen und in verschiedenen Unterkünften verteilten. Ein hübsches Schauspiel, vor allem wenn drei der gefiederten Freunde auf einmal unter dem Arm transportiert wurden. Am Ausgang des Parks lag noch breit ein Hörnchen auf dem Geländer und ließ sich bereitwillig von meiner Frau fotografieren.

schnatterndes Federvieh
Hörnchen

Mit der U-Bahn ging es dann zurück Richtung Regent’s Park. Wir erwarben Salate, Sushi und Wraps, die wir uns auf einer Parkbank schmecken ließen. Ein kurzer Regenschauer vertrieb uns dann aber, sodass wir vorbei an der großen Moschee den Weg zum Hotel antraten. Jetzt gammeln wir auf den Betten rum und planen den morgigen Tag an.

Hochzeitstag

Um so ein familiäres Ereignis gebührend zu feiern, steht man früh bei Zeiten auf, also 1:30 Uhr oder halb zwei in der Frühe, und erfreut seine Frau mit einer Fahrt durch die nächtliche Natur. Da kann man Hirschkühen oder Rehen ganz entspannt beim Überqueren der Straße zusehen. Die Fahrt hatte aber auch einen tieferen Sinn, als sich die besten Glückwünsche zum ehelichen Beisammensein zu übermitteln, wir fuhren nach Köln. Dort wiederum kann man nachtens große Chemiewerke hell erleuchtet ansehen, und den Erfindern irgendwelcher Sachen, die dort produziert werden, huldigen. Aber auch das war noch nicht alles, denn wir stellten unser Auto ab, luden um und wurden per Shuttle zum Flughafen gefahren, von wo aus wir nach London-Stansted transportiert wurden.

Europa

Bevor es mit dem Fliegen aber los ging, stellten wir uns brav an der wohl längsten Schlange im ganzen Rhein-Main-Gebiet an, um unsere Koffer einzuchecken. Dann mussten wir unter den wachsamen Blicken meiner gestrengen Frau und Mutter unserer Kinder die übrigen Speisen in uns rein quälen, weil diese nicht mit in den Innenraum genommen werden dürften. Mir hing also gleichzeitig die Kabanossi und die Schokolade sowie das Knäckebrot aus den Ohren, aber mit dem restlichen Apfelsaft und dem Wasser bekam ich es schließlich herunter gespült. Da war noch Platz für Haribo Bumix. Dermaßen vollgestopft und dem Brechen nahe wankten wir zum Flugzeug, das uns ohne Zwischenfälle heil und sicher in good old England ablieferte.

London vom Bus aus, Baustellencharakter

Mit dem Bus ging es weiter zur Victoria-Station, um von dort aus Kreuz und quer die 4-Zonen-Karte auch wirklich auszunutzen. Schließlich kamen wir in Crystal Palace an, um den Park der ehemaligen Weltausstellung von 1854 zu besichtigen.

Dinosaurier im Crystal Palace

Viel mehr außer einem flanierbaren recht hübsch angelegten Stadtpark, der mit den wohl ältesten Dinosaurierfiguren und einem Gondelteich gespickt ist, gibt es dann aber doch nicht zu sehen. Also zogen wir mit unseren Koffern, die wir die ganze Zeit bei uns hatten, unsere Runden. Im Café, bei dem wir ein Sandwich erwerben wollten, gab es für uns die erste Überraschung. Dort war normalerweise nur Kartenzahlung möglich. Toll, dachte ich, da sind die Briten Vorreiter, aber was mache ich ohne Karte und dem zuvor mühselig zusammengezähltem Kleingeld? Aber die Briten sind freundliche Menschen. Die Bardame nahm dankend die zwei Hände voll Münzen entgegen und ließ uns, nachdem ich sie aufgefordert habe, wenigsten so zu tun, als würde sie es nachzählen, freudestrahlend mit unseren Sandwiches abziehen.

Blick vom Zug Richtung Skyline von London (hinter den Häusern)

Die Zeit war dann ran, mit Zug und U-Bahn zu unserem Hotel zu fahren. Das sieht von außen genauso klapprig aus, wie die Kommode in unserem Zimmer, die mir beim Einräumen fast entgegengeflogen kam. Das macht wiederum den in meinen Augen britischen Charme aus.

Klapprige Kommode

Jetzt wollen wir uns noch mit einer Schulfreundin unseres kleinen Kindes und deren Mutter am Piccadilly Circus treffen, denn erstere hat nicht nur unseren Hochzeitstag sondern auch ihren Geburtstag mit uns zu feiern.